Oberamt Hirschberg

Das kaiserliche Landgericht und das bischöfliche Oberamt Hirschberg

Als selbständige Grafschaft hat Hirschberg mit dem Jahre 1305 zu bestehen aufgehört; in diesem Jahre ist der letzte der alten Hirschberger Grafen, Gebhard, gestorben. Der Kern der alten Grafschaft, das Landgericht, hat noch Jahrhunderte weiter als sogenanntes „Kaiserliches Landgericht“ fortbestanden.

Nicht erwerben konnte Eichstätt das Landgericht Hirschberg, das einen Überrest der alten Grafschaftsverfassung auf dem Nordgau darstellte. Als Hochgericht beanspruchte es weiterhin die Zuständigkeit über das bischöfliche Gebiet für Klagen über Erb und Eigen und in Strafverfahren für die sogenannten „hohen Fälle“ (causae maiores) Mord, Totschlag, Raub und Notzucht. Es blieb als königliches Lehen weiterhin in den Händen der baierischen Herzöge, die damit allerdings nicht viel Freude erlebten. Immer mehr wurde im Laufe der Zeit sein Bereich eingeschränkt und seine Bedeutung ausgehöhlt. Seit der Satzung Kaiser Ludwigs d. Bayern von 1320 waren sämtliche gebannten Städte und Märkte vom Gerichtszwang des Landgerichts befreit.

Die Amberger Halsgerichtsgrenze überschnitt sich mit der nördlichen Grenze des Landgerichts Hirschberg, das auf der Strecke Stöckelsberg – Trautmannshofen – Dietrichstein – Laber das ehemalige Amt Trosberg und die späteren Ämter Haimburg und Wolfstein umschloss. Die Nordgrenze des Landgericht Hirschberg war bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zwischen den Landgerichten Sulzbach und Hirschberg strittig. Dann aber ging Sulzbach, während es zu den neu erworbenen Besitzungen Kaiser Karl IV. gehörte, der südliche Teil seines Landgerichts verloren, nämlich die im Urbar von 1326 erscheinenden Ämter Trosberg und Pfaffenhofen und der Anteil von Lauterhofen. Da er nicht in die Hand Karls IV. gelangt war, führte die dadurch bedingte gesonderte Entwicklung anscheinend zur allmählichen Lösung vom ehemals zuständigen Landgericht.

Das kaiserliche Landgericht Hirschberg hatte zu Hilpoltstein eine „Schranne“ mit der dazugehörigen Galgenbube in „Bererßdorff“. Ebenso war Gaimersheim ein Gerichtsort des Landgerichts.

Konrad I. von Heideck war 1340 Landrichter am kaiserlichem Landgericht zu Nürnberg und wurde als Schirmer und Berater beim Landgericht Hirschberg wiederholt tätig.

Heinrich von Stein war 1347 Landrichter der Grafschaft Hirschberg

Hilpolt von Stein darf nur vor das Landgericht Hirschberg geladen werden (1368)

1384 tritt ein „Stephan der Grozz zu Meckenhausen gesessen zu der Altenburg“ in einem Gerichtsbrief der Grafschaft Hirschberg auf..

1384/91 erscheint Rüger der Morspeck, früher Richter zu Enkering, der von Albrecht Jostorffer, dem Landrichter in der Grafschaft Hirschberg, verurteilt und in die Acht getan wurde.

1403-1419 wird ein Reichart der Merstorffer erwähnt, Landschreiber in der Grafschaft Hirschberg und Vertreter des Landrichters Hans Loterbeck (1416).

1441-1448: Albrecht Jarsdorfer ist Landrichter der Grafschaft Hirschberg

LandgerichtHirschberg1


 

Bayerische Staatsbibliothek VD16 B 983

Ettlichnottürfftig freihaitbrief vn[d] ordnung über das Landtgericht Hirsperg

Anno MDXVIII 

[München] 1518,  2 Bavar. 314

30.01.1767 – Vertrag zwischen Kurfürst Maximilian III. Joseph und Fürstbischof Raimund Anton: Kurbayern verzichtet auf die Jurisdiktionsansprüche des Langerichts Hirschberg im Hochstiftsgebiet. Dafür verzichtet Eichstätt auf Geldansprüche aus der Herrschaft Illereichen.

Das bischöfliche Oberamt Hirschberg

Während die hohe Gerichtsbarkeit der Grafschaft Hirschberg den Herzogen von Bayern übertragen wurde, bekam der Eichstätter Bischofsstuhl die „nidere Burch“  und den größten Teil des hirschberger Landbesitzes, verbunden mit der niederen Gerichtsbarkeit, zugesprochen. Hirschberg wurde Sitz eines Hochstiftischen Oberamtes.

An der Spitze der Schloßverwaltung stand zu bischöflichen Zeiten der Pfleger, der neben seiner Obliegenheiten im Oberamt Hirschberg auch noch das Schloß zu betreuen hatte. In ihrem Diensteid gelobten die Pfleger, dass sie Schloß und Amt getreulich verwalten werden. Sollte der Bischof gefangen vor das Schloß geführt werden, so werden sie sich nicht daran kehren und den Bischof (und dessen Feinde) nicht in die Burg einlassen.

Um 1306 lesen wir von Pfarrer Ot von Crapfenhouen. Er hatte Bischof Philipp von Eichstätt ein Darlehen von 100 Pfund Heller vorgestreckt, damit das Hochstift die Schulden decken könne, die ihm durch die Erbschaft des Grafen Gebhard von Hirschberg erwachsen waren. Der Bischof verschrieb dafür dem Pfarrer von Krappenhofen ein Leibgeding von zehn Pfund Heller, das jährlich aus der Stadtsteuer von Eichstätt einging.

1307 wird Hartwig von Simbach, Vogt (=Pfleger) zu Hirschberg als Zeuge für bischöfliche Rechte aufgeführt. Er hat schon zu Lebzeiten Graf Gebhards VII die Vogtei geführt.

Das Oberamt Hirschberg umfasste foldende Ortschaften:

Hirschberg, Beilngries, Amtmannsdorf, Aschbuch, Attenhofen, Badanhausen, Ditz, Denkendorf, Dörndorf, Eglofsdorf, Frankendorf (abgegangen), Grampersdorf, Irfersdorf, Irlahüll, Kevenhüll, Kirchanhausen, Kirchbuch, Kottingwärth, Kratzhausen(-mühle), Landershofen, Leising, Litterzhofen, Oberemmendorf, Oberndorf, Öning, Österdorf (abgegangen), Ottmaring, Paulushofen, Pfraundorf, Raitenbuch, Schweigersdorf, Töging, Unteremmendorf, Vogelthal, Wallnsdorf, Wiesenhofen, Zandt. Um 1500 weitere Ortschaften: Biberbach, Kaldorf, Kinding, Haunstetten, Mettendorf, Ritteramt Töging mit Neuzell, Kaising. Unterstellt waren: Propstamt Berching, Richteramt Greding.

Der Alltag im Oberamt Hirschberg

Bischof Philipp von Rathsamhausen (1306-1322) schließt mit Gottfried Schenk von Altenburg einen Burghutvertrag über Burg Hirschberg (1322)

Der Hausrat Bischofs Friedrich von Öttingen (1383-1415) in Hirschberg wurde auf 373 Gulden geschätzt. Zum Vergleich: Schätzung auf der Willibaldsburg (Eichstätt) auf 498fl.

1391 „Hartung der Morspeck“ (Herren von Morsbach), Pfleger zu Hirschberg

Das bischöfliche Brauhaus wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Zu dieser Zeit herrschte noch reger Weinanbau.

1420 ist Heinrich IV, des „alten Hansen von Parsberg“ siebenter Sohn, Pfleger zu Hirschberg.

1423 klagt ein Erhard von Pfahlheim beim Landgericht Nürnberg, der Bischof bzw. dessen Beamte hätten ihn an seinem väterlichen Erbe und Eigen in Hirschberg, nämlich an Haus und Ställen „überbaut“ und ihm dabei seine Dächer zerbrochen, d.h. beschädigt.

Man hatte damals einen Wehrgang auf der Ringmauer gezimmert. Da sich des Markschalks Burgsitz wohl an der Ringmauer anlehnte, wurde bei den Bauarbeiten dessen Dächer beschädigt.

1447 verkauft Erhards Sohn, Werner Marschalk zu Eybwang: Behausung und Hofreit in der niederen Burg zu Hirschberg, den steinernen Kasten vor dem Tor an der Brücke, den Stadel daselbst, ferner Haus und Hofreit auf der „Leiten“ vor dem Schloss um 320 Gulden an den Bischof

Die weitere Besatzung des Schlosses bestand 1471 aus zwei Türmern, acht Wächter, einem inneren und einem äußeren Torwart.

Georg (oder Jörg?) II von Lupburg war 1509 Landrichter zu Hirschberg

Im Jahre 1525 (Bauernkrieg) genügte ein „Stuckschuß“ vom Schloß heraus, die revoltierenden Bauern zu versprengen.

Der Pfleger Veit Marschalk zu Pappenheim hatte sich bei seiner Bestellung im Jahre 1549 zu verpflichten, die Ehefrau des Meiers nicht mit Diensten zu belasten. Wasser tragen zu seiner Haushaltung und anderes habe auf seine Kosten zu geschehen. Dafür habe er einen Esel, der zur Pflege gehöre.

Die bischöflichen Beamten wohnten gemeinsam im Gebäude, welches sich östlich an den Hungerturm anschloß. In diesem Zusammenhang versteht man eine Klausel in der Bestallung des Pflegers Ferdinand von Dorneck (1583): Des Pflegers Hausfrau soll mit der Kastnerin nachbarlich sich halten, nicht hadern und zanken oder sich überwerfen.

1586 war Besitzer von Erasbach: Georg Hofmann, der Rechten Doktor und Kastner zu Hirschberg

1740 Pfleg- und Oberamt wird nach Beilngries verlegt

Der Forstmeister wohnte bis ca. 1738 im Schloß, der Pfleger und der Kastner wurden 1740-1742 nach Beilngries verlegt.

OrtsplanA