Turmburg

Der salische Wohnturm und die Ausgrabungen von 1988

Die strategisch günstige Lage des Burgplatzes wurde schon in der Hallstattzeit (600 v.C.)  ausgenutzt, um die Täler der Altmühl, der Sulz und des Trockentals zu kontrollieren.

Wohnturm
Skizze eines Wohnturmes in ähnlicher Lage (Modifizierte Zeichnung von W. Braun)

Der erste Hinweis auf eine Befestigung des Bergsporns ist ein Abschnittswall, welcher die  nach drei Seiten steil abfallende Bergzunge vom Hochplateau mittels Graben abgrenzte.  Auch in den Auseinandersetzungen zwischen den Agilolfingern und den Franken könnte der Befestigungsplatz als Machtzentrum oder Fliehburg gedient haben.

Ausgrabung008KLange Zeit war man davon ausgegangen, dass die Burg Hirschberg eine neu angelegte  Burganlage der Grafen von Hirschberg-Grögling-Dollnstein war. Jüngste Ausgrabungen  haben jedoch bewiesen, dass der Ursprung der Burg sehr viel früher zu suchen ist…

Bei Bauarbeiten Im Jahre 1988 wurden die Fundamente eines mittelalterlichen  Rundturmes, einer Toranlage und mittelalterlicher Wandmalereien an der Ostseite des  Schlosses entdeckt. Bei dem Rundturm handelte es sich um einen aus sorgfältig zugerichteten Kalksteinblöcken errichteten Wohn- und Wehrturm. Seine schön geschichteten Kalksteinquader mit Füllwerk im Kern erhoben sich ungewölbt drei bis vier Meter hoch ohne jegliche Öffnung. Die Wandstärke beträgt drei bis vier Meter (Zeune: 2,7m) und der Durchmesser des Rundturms war mit 16m (Zeune: 13,2m) beachtlich.

Trotz erfolgter Probebohrungen stieß man im Bastionsgarten auf umfangreiche Mauerreste
Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Diesen älteren Turm integrierte man teilweise in die Architektur der Hirschberger Burg. Eine im südwestlichen Bereich gelegene Tür mit Schwellenstein stammt möglicherweise erst aus der Grafenzeit. Der Turm (oder Teile dessen) wurde bis ins 15. Jhdt. benutzt. Dies belegen Scherbenfunde aus seinem Innenbereich. Es konnte ein Teil des Fußbodens, auf dem die verbrannten Balken der Zwischendecke zum ersten Stockwerk lagen, ergraben werden. Eine Brandkatastrophe hatte im 15. Jhdt. Teile der Burg zerstört und dadurch auch die Wände im unteren Bereich stark in Mitleidenschaft gezogen – ein Ereignis, welches literarisch nicht dokumentiert ist.

Vogelperespektive: Ost
Vogelperespektive: Süd

Unter dem Fußboden  fanden sich noch Teile eines sehr tiefen Vorfundaments oder sogar eines Vorgängerbaus. Die Steine waren sehr sorgfältig in Trocken-mauertechnik gesetzt und entsprachen in keinster Weise dem Verlauf der Turmmauer. Mit seinem starken Fundament und den mächtigen Mauern dürfte der Rundturm eine Mindesthöhe von 15m erreicht haben und somit weithin sichtbar gewesen sein, was durch seine Spornlage noch unterstrichen wird. Eine genaue Datierung des Rundturmes erweist sich als schwierig, da die Ausgrabungsflächen klein waren und das Gebäude mehrfach umgebaut wurde.

Schweres Gerät im Einsatz…
Rechts oben kommt das Ausfalltor zum Vorschein

Die erste Urkundliche Erwähnung der Grafschaft Hirschberg stammt aus dem Jahre 1007. Über die damaligen Familien-verhältnisse der Hirschberger Grafen sowie der Grafen von Dollnstein-Grögling ist leider nichts bekannt, doch dürfte in ihnen der Grund zu suchen sein, weshalb die Dollnsteiner Grafen am Ende des 12. Jahrhunderts an dieser Stelle ihre Stammburg erbauten und sich fortan Grafen von Hirschberg nannten. Man wird wohl kaum fehlgehen, das Bauwerk mindestens in das 11. Jahrhundert, unter Umständen sogar schon an das Ende des 10. Jahrhunderts zu datieren. Scherben aus karolingisch-ottonischer Zeit untermauern diese These. Ein Turm dieser Größenordnung aus der Zeit um die Jahrtausendwende sei bisher in Bayern noch nicht entdeckt worden und möglicherweise für ganz Deutschland einzigartig.

Die romanische Toranlage aus dem frühen 13. Jhdt.

Ausgrabung012KAuch für die romanische Toranlage aus dem frühen 13. Jhdt., die neben dem Turm entdeckt wurde, gibt es in Deutschland kaum Vergleichbares. Das Tor war der Hintereingang der zwischen 1205 und 1210 errichteten Burg der Hirschberger. Die salierzeitliche Burg beschränkte sich offensichtlich auf das östliche Ende der Bergzunge und wuchs erst in der Stauferzeit zu heutiger Größe und Konzeption. Bei den Bauarbeiten wurden außerdem noch im Hofbereich zwei Brunnen / Zisternen gefunden. Die eine, scheinbar ältere befand sich im Hof auf Höhe der Johanneskapelle, die andere im früheren Speisesaal, wo sich jetzt im Parterre die Toiletten befinden. Man fand im Hof diverse Mauern – eine ging auf Höhe des West-Endes der Kapelle quer über den Hof. Eine weitere verlief südlich der heutigen Johannes-Sakristei.


Übersichtsskizze Gesamtdraufsicht
Details am Torbogen

Wir bedanken uns noch einmal an dieser Stelle für die freundliche Unterstützung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege und ganz besonders bei Dr. Andreas Tillmann und Dr. Erich Claßen!