Ursprung

Die Wurzeln der Grafen von Hirschberg

Als im Jahre 1003 König Heinrich II. den Aufstand seines Vetters, des Grafen von Schweinfurt, niedergeworfen hatte, wurde der Nordgau in Teilgrafschaften aufgelöst, von denen die im Westteil des Nordgaus gelegene der Graf Berengar erhielt. Diese Grafschaft darf man, wie es schon die Auffassung v. Guttenbergs war, abgesehen von dem im Norden abgetrennten Teil als identisch betrachten mit der späteren Grafschaft Hirschberg. So wie also diese Grafschaft als ein Rest der Grafschaftsverfassung des Nordgaues betrachtet werden kann, so wird auch die weiter westlich gelegene Grafschaft Graisbach aus der ehemaligen karolingischen Grafschaft des Sualafeldes hervorgegangen sein.

Die beiden Grafschaften im Sualafeld und im Nordgau wurden seit dem 11. Jahrhundert auf dem Wege der Erblichkeit der alten Grafenrechte jeweils in den Händen eines großen Geschlechts, das unbestritten das Übergewicht über alle übrigen Gewalten seines Bereiches erwarb, zu territorialen Großgrafschaften: Lechsgemünd-Graisbach und Hirschberg.  Die Grafschaft Hirschberg entwickelte sich zum entscheidenden Machtfaktor in zentral Bayern. Hatte sich doch das Grafengeschlecht, das diese Grafschaft wohl bald nach 1170 vom Kaiser zu Lehen erhalten hatte, zugleich auch der Vogteigewalt über die Eichstätter Kirche bemächtigen können. Im Jahre 1068 erscheint ein Hartwig ohne nähere Bezeichnung als Eichstätter Vogt. Auf Grund späterer Urkunden ist er der Familie der Grafen vorn Hirschberg zuzuweisen. Dieses ursprünglich von Grögling und Dollnstein benannte Geschlecht hatte den ersten Grafentitel von Ottenberg her. Unter dem Namen von Hirschberg erscheint es erstmals im Jahre 1205.

 

Burgstall zu Grögling
Burg Dollnstein

 

 

 

 

 

 

Die Herkunft der Grafen von Hirschberg liegt noch immer im Dunkeln. Der erste greifbare Vertreter der Familie ist ein Ernst…

Wann genau die Herren von Grögling-Dollnstein und Vögte der Eichstätter Kirche die später nach Hirschberg benannte Grafschaft durch kaiserliche Verleihung erhielten ist nicht völlig geklärt. Die Herren von Grögling-Dollnstein erhielten die Grafschaft im Kelsgau (später Hirschberg genannt) bald nach 1170.

1087 Ernst, Graf von Ottenberg, innhaber einer Grafschaft um Glonn und Amper bei Freising, wird als Vogt der Eichstätter Bischofskirche bekundet.
1096 Ernst bezeichnet sich nach „Chregelingen“ (Burgstall am Ufer der Altmühl östlich von Hirschberg)
1098 Altmann (Sohn von Ernst) nennt sich erstmals Graf von Grögling
1125 Wird Gebhard II. von Grögling  (Sohn von Ernst) zum Eichstätter Bischof geweiht. Er ist vermutlich identisch mit dem 1122 genannten gleichnamigen Propst von Herrieden. Als erster Eichstätter Bischof wird er gewählt von Klerus und Volk, wahrscheinlich noch im September 1125. Er stiftet zusammen mit seinen Brüdern Ernst II. und Hartwig 1129 die Benediktinerabtei Plankstetten und weiht die Kirche 1138 ein. Bischof Gebhard II. von Grögling ist auf zahlreichen Reichstagen und Synoden anwesend. So 1130 in Regesburg bei König Lothar, 1131 auf dem Lütticher Hoftag, 1133 bei Synode und Hoftag zu Mainz, 1135 auf dem Bamberger Reichstag (Unterwerfung Herzog Friedrichs von Schwaben unter Kaiser Lothar), 1136 auf dem Würzburger Reichstag, 1138 auf dem Bamberger Pfingstreichstag (Staufer Konrad III.), 1140 bei den Vorbereitungen des schwäbischen Feldzugs in Nürnberg, wieder 1141 in Regensburg, u.v.w., 1148 wurde er nach Reims zur Synode von Papst Eugen III. einberufen. Gebhard II. verstarb am 17. März 1149.
1129 Gründung des Klosters Plankstetten durch die Grafen von Grögling
Seit 1147 nennen sich die Herren von Grögling auch von Dollnstein
1152 Der Eichstätter Hochstiftsvogt Gerhard von Grögling wird mit Bischof Burchard von Eichstätt, Eberhard II. von Bamberg und dem Klostervogt Adelbert von Truhendingen angewiesen, den Abt Adelbert von Heidenheim bei der Wiederherstellung des Klosterlebens zu unterstützen. Diese widersetzen sich und unterstützen die widerspenstigen Kanoniker, bis Abt Adelbert von Heidenheim aufgibt.
~1157 Sophia, zweite Tochter des Grafen Gebhard II. von Sulzbach, Gräfin von Grögling-Dollnstein, Erbin von Sulzbach. Sie wurde um das Jahr 1157, da sie ungefähr das 20. Lebensjahr zählte, einem Grafen von Grögling von ihrem Vater vermählt.
1165 Gerhard I. verzichtet auf dem Reichstag des Kaisers Friedrich I. (1165) auf sein Lehen, welches er vom Bischof von Freising auf Güter des Klosters Weihenstephan hatte. Er erhält dafür vom Abte des Klosters ein gewisses Geld und gewisse Fuder Weins, die Gräfin Sophie dagegen zwei goldene Armspangen.
1188 Die Grafen von Grögling – Dollnstein erben große Teile der Grafschaft Sulzbach
1179 Gebhard III., Graf von Grögling und Dollnstein, später auch von Hirschberg, erscheint das erste Mal als Zeuge in der Urkunde seines mütterlichen Großvaters, des Grafen Gebhard II., des Regensburgischen Domvogtes (1179). Damals wird Gebhard III., Graf von Grögling genannt, etwa 16-18 Jahre alt gewesen sein. Er war gleichwohl schon als regierender oder vielmehr mitregierender Graf anerkannt. Sehr oft trifft man ihn nachher, besonders ab 1191, als Grafen von Grögling, dann wieder als Graf von Dollnstein, an. Ab 1205 trägt er auch den Titel Graf von Hirschberg.
1189 Gebhard I. wird als Kreuzzugsteilnehmer genannt (A. Chroust, Quellen 20)
1194 Hartwig III. von Grögling-Dollnstein genannt als Eichstätter Dompropst.
1191 Graf Gerhard II. von Dollnstein begleitete den Kaiser Heinrich VI. nach Sizilien. Dort ist er 1191 zu finden.Zum letzten Mal wird Graf Gerhard II. am 1. August 1224 zu Passau in einer Urkunde des Grafen Konrad von Wasserburg, neben dessen Gemahlin Kunigunde, genannt. Gerhard II. ist laut Chronik St. Emmeran im Jahre 1225 verstorben.
~1194 Aufgrund unterschiedlicher Bezeichnungen scheinen sich die Grafen gegen 1194  wieder in zwei Linien geteilt zu haben. Gebhard nennt sich Graf von Dollnstein und Gerhard wird als Graf von Sulzbach bezeichnet. Im Pontifikale Gundekarianum wird Bischof Hartwigs Abstammung von seinem älteren Bruder Gerhard, welcher bei der brüderlichen Teilung Sulzbach erhielt, angezeigt. Der gleichzeitige Burchardus de Biberach nennt ihn nun …frater comitis de Tollenstein. Wie früher das mütterliche Stammhaus dieses Bischofes durch seinen älteren Bruder, so wird jetzt seine gemeinsame väterliche Abstammung durch seinen jüngeren Bruder angesprochen. Später, z.B. in der Kasteler Reimchronik heißt er ein Bruder des Grafen Gebhard von Hirschberg, nach der üblichen Benennung dieses Stammhauses.
1196 Hartwig III. von Grögling-Dollnstein wird zum Bischof von Eichstätt geweiht. Unter seiner Regierung verlegt die Familie ihren Sitz nach Hirschberg. Er wird in Nachträgen auch nach seiner Mutter als Graf von Sulzbach* bezeichnet.  Mit Hartwig wird zum zweiten Mal ein Angehöriger der von Grögling zum Bischof gewählt, womit das Geschlecht eine Bedeutende Stärkung erreicht.

*Vater: Gerhard I. (x vor 1188), Sohn des Vogtes Hartwig III. und Neffe Bischof Gebhards II.; Mutter: Sophie von Sulzbach (x nach 1227), Tochter Graf Gebhards II., durch welche die Grafschaft Sulzbach an die Hirschberger gelangte; Brüder: Gebhard (II.), Vogt des Hochstifts, der die Grafschaft Sulzbach erhielt, verheiratet mit Agnes, Tochter Burggraf Konrads von Nürnberg, und Gerhard II.

1197 Hartwig III. zieht nach seiner Wahl zum Bischof mit Kaiser Heinrich VI. nach Sizilien, wo er August/September nachzuweisen ist.
1198 Hartwig III. tritt besonders in Reichsangelegenheiten während des Deutschen Thronstreits hervor. Er nimmt teil an der Wahl Philipps von Schwaben zum König in Ichtershausenn und ist bei dessen Königssalbung in Mainz anwesend.
1199 Hartwig III. befindet sich im Gefolge des Königs in Speyer und Worms und erhält dort ein, die Stellung der Ministerialen betreffendes, Privileg und das Recht eines vierzehntägigen Marktes zu Eichstätt mit zugeordneten Geleitsrechten zuerkannt. König Philipp nennt Hartwig in der goldenen Bulle vom 14. September 1199 einen „Blutsverwandten“. Der Grund dafür dürfte darin zu finden sein, weil Judith und Mathilde, die beiderseitigen Ahnfrauen, leibliche Schwestern waren.
1219 Bischof Hartwig ließ im Jahre 1219 die Klosterkirche zu Kastl, welche durch Ruprecht vom Stein und anderen Kriegsleuten entweiht worden war, zum gottesdienstlichen Gebrauch wieder tauglich gemacht hat.
1223 Nach der Ermordung Philipps von Schwaben durch den bayerischen Pfalzgrafen Otto VIII. von Wittelsbach, findet sich Hartwig III. im Gefolge von Otto IV.,  schlug sich aber dann auf die Seite Friedrichs II.. Hartwig verstirbt im März 1223.